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Die Finca Unela

Almería, die östlichste Provinz Andalusiens, ist von den Ausläufern der Cordillera Penibética durch-zogen, der großen Gebirgskette im Süden der iberischen Halbinsel. In einem Hochtal zwischen den Bergmassiven der Sierra de María und der Sierra de las Estancias, wenige Kilometer vom Ort Vélez Blanco entfernt, liegt die Finca Unela.

Schon von Weitem sieht man das helle Grün der Linde vor dem Hauptgebäude, das nach ihr »Cortijo Tilo« benannt ist. Es ist eines der schlichten weißgetünchten Häuser in landestypischer Architektur, die spärlich über das hügelige Land mit Olivenhainen und dazwischen ausgedehnten Gestrüppflächen verteilt sind. Hier und da sieht man einen Esel* vorbeiziehen; die Tiere sind hier nach wie vor unverzichtbarer Bestandteil des Arbeitsprozesses. Die Zeit scheint an diesem Ort ihre vorwärtstreibende Gewalt verloren zu haben.

Trotz der geringen Entfernung zum Mittelmeer verirrt sich kaum je ein Tourist in diese ländliche, wenig besiedelte, beinahe karge Gegend, in der Mandeln und Oliven traditionell zu den wichtigsten Erzeugnissen gehören – kleinere Erntemengen, die in der Regel nicht über die Provinzgrenzen hinausgelangen. Hier bewirtschaften Pedro Aliaga und seine Frau Asunción die aus mehreren Häusern und Ställen bestehenden Finca, in der unser Olivenöl gewonnen wird.

Tausend und drei Bäume

Pedro ist mit der traditionellen Landwirtschaft aufgewachsen und führt sie fort, allerdings nach modernsten Maßstäben und mit hohem Anspruch. Die Einhaltung sämtlicher ökologischer Richtlinien beim Anbau und der Ernte der Oliven ist dabei gewissermaßen selbstverständlich, gewährleisten diese Verfahren doch gerade die außerordentliche Qualität des Olivenöls.

In der Tat ist das hier gewonnene Öl etwas Besonderes. Die tausend und drei** Olivenbäume, einige davon weit über 200 Jahre alt, die auf der 16 Hektar großen Anbaufläche der Finca wachsen, bringen die Olivensorte »Lechín de Granada« hervor. Sie wurde durch die Mauren in Spanien eingeführt und ist besonders widerstandsfähig, vor allem gegenüber Wind, Trockenheit und Frost. Dadurch kann sie auf unserer Finca, die ca. 1.000 m über dem Meeresspiegel gelegen ist, ausgezeichnet gedeihen. Heute gibt es in Andalusien in Bezug auf die Fläche und das Alter der Bäume keinen vergleichbaren Olivenhain dieser Sorte mehr.

Die kleinen schwarzen Früchte haften fest an den Zweigen und lassen sich selbst per Hand nur schwer pflücken. Die Ernte unserer Oliven (bei der uns neben einheimischen Freunden auch zahlreiche Helfer aus Österreich und Deutschland unterstützen) beginnt zudem sehr früh, bereits im Dezember. Dadurch fällt die gewonnene Ölmenge zwar geringer aus – die Jahresproduktion liegt zwischen 800 und 1.500 Litern –, doch wird die Qualität des blassgelben, mit einer süßen Note versehenen, von Kennern sehr geschätzten Öls dadurch noch gesteigert.

* Es handelt sich im Übrigen hier um die vom Aussterben bedrohten cordobesisch-andalusischen Großesel, aufgrund derer die Finca Unela als anerkannter »núcleo zoológico« ausgewiesen ist.

** 1003 ist natürlich ein ungefährer Wert. Die Zahl hat einen indirekten Spanien-Bezug, verweist sie doch auf die berühmte Registerarie in Mozarts Oper »Don Giovanni«. Der Diener Leporello zählt dabei die zahlreichen Liebschaften seines Herrn anhand einer von ihm verfassten Liste auf: In Italien 640, in Deutschland 231, in Frankreich 100, in der Türkei 91 ... »ma in Ispagna son già mille e tre«: in Spanien bereits eintausenddrei.